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Ich wohne in den Ozark Hügeln, die von dem "Mark Twain National Forest" umgeben sind. Dieser Teil der U.S. Nationalen Wald-Reservate, ist eine Folge kleiner bewaldeter Gebiete, die sich im zentralen bis südlichen Teil des Staates Missouri befinden. Vier Arten von Gottesanbeterinnen bewohnen dieses Gebiet, drei davon sind einheimisch. In diesem Artikel möchte ich die häufigste und variabelste einheimische Art vorstellen.



Zentral-südöstliche Gottesanbeterin

Stagmomantis carolina (Johansson 1763)

Text & Photos von C. Herger Thomann.
Übersetzt von T. Maag.



Ein TERRA TYPICA - Report.



Beschreibung

Stagmomantis carolina ist eine mittelgrosse Mantide (um 35mm) , die äusserst variabel gefärbt ist. Beide Geschlechter sind geflügelt, wobei die Flügel des Weibchens nur ca. 2/3 des Abdomens bedecken.
oben Weibchen, unten Männchen
Bei beiden Geschlechtern findet man auf den Deckflügeln zwischen der hinteren radialen Vene und Vorderen Elle Vene einen Fleck. Bei dunkleren Exemplaren kann der Fleck undeutlich zu sehen sein, bei helleren ist er jedoch sehr typisch. Die Weibchen variieren in der Farbe von blattgrün über hellbraun, beige und grau bis zu perfekten Rindenimitationen. Graue Individuen können alle diese Farben haben und sind teilweise sogar mit rosa Flecken übersät. Die Deckflügel des Weibchens haben die gleiche Farbe wie der Körper. Die Flügel schwanken von rauchig schwarz-blauen Fleckenmustern an der Basis bei dunklen Individuen bis zu mehr oder weniger paralell zum Analende verlaufenden gelblichen Linien bei grünen Tieren. Die Männchen variieren von grün mit dunklen Gelenken über braun-graue Zweigimitationen bis zu fast schwarz-braunen Individuen. Ihre Deckflügel sind , von Licht rauchig zu sehr dunkel rauchig. Die Flügel sind immer durchsichtig mit einem hell- oder dunkelblaugrauen Fleck an der Basis, welcher gegen das Analfeld hin verschwindet. Das Weibchen ist robust gebaut, während das Männchen zierlich ist. Die Weibchen betreiben normalerweise Ansitzjagd während die Männchen aktiv jagen. Um diese Art zu fangen muss man Buschklopfen, obwohl die Männchen auch ans Licht kommen.
Wie man aus der Beschreibung , sowie aus den Photos erkennen kann ist diese Mantide äusserst variabel. Diese Vielfalt hat über Jahre Bestimmungsprobleme verursacht. So wurden die verschiedenen Varianten oft als eigene Arten beschrieben (wie Prof. E. Giglio-Tos ' S.nordica). Eine Gruppe von Entomologie-Studenten ging soweit und beschrieb 42 Spezies. In den vergangenen Jahren habe ich diese Art oft gro§gezogen. Grüne, braune, graue, fast schwarze und rindengefärbte Exemplare aus ein und derselben Oothek . Offensichtlich handelt es sich nicht um verschiedene Arten. Bis heute wurden , je nach benutztem Schlüssel, bis zu 13 Species der Gattung beschrieben.



Oothek
Die Oothek, oder Eikokon, ist ein Mittel seine Eier zu schützen, durch perfekte Tarnung oder Verstecken. Der Hauptbestandteil ist ein Protein, dass beim Legen der Eier abgesondert wird und mit den Genitalien des Weibchens schaumig geschlagen und in Form gebracht wird. So erhärtet bietet es eine guten Schutz der Eier. Die Oothek dieser Art wird meist an dickeren Zweigen oder an der Rinde abgelegt und gleicht einer Gallbildung oder einer verheilten Wunde.
Ootheken, drei gesunde, eine mi§gebildete
Wenn die Oothek auf einen flachen Untergrund abgelegt wird sie breiter und flacher gebaut, enthält aber gleichviel Eier wie eine "normale". Ich habe die Eigelege oft auf der Hinterseite von abstehenden Rindenstücken gefunden, unsichtbar für Feinde. Die Oberflache ist mit einem silbernen papierähnlichen Belag überzogen. Darin befindet sich das ungefähr haselnussgrosse Gelege. Es ist ca. 15-25 mm lang und kann 20-60 Eier enthalten. Das Weibchen legt mit der Zeit immer kürzere aber immer etwa gleich breite Ootheken ab. Im Querschnitt erkennt man eine Eikammer von unbestimmter Länge mit ca 8 Eier darüber. Diese sind mit in einer Isolationsschicht bedeckt. Da die Winter in unserer Gegend sehr rau sein können (-30ˇC oder weniger) scheint es, dass diese Isolationsschicht die Eier eher vor grosser Hitze schützt als vor der Kälte. Eine gute Oothek hat eine leichtbraune oder gräuliche Farbe und schön abgerundetet Enden. Eine Oothek, die zwangsweise von einem unbegatteten Weibchen erstellt wurde ist missgebildet und sieht eher aus wie geschmolzener Plastik (auf dem Bild ganz rechts aussen). Der Schlupf erfolgt normalerweise im Mai, kann sich aber bis in den Juli verzögern.



Entwicklung
Larve L2
Die Larven L2 sind orang mit braun gebänderten Gelenken.
Häutungsabfolge
Die Larven der Stadien L3-L5 sind einheitlich grün, braun oder beige gefärbt. Sie fangen jetzt an ihre Adultfärbung zu entwickeln. Während der letzten 3 Hätungen beginnt sich bei den Weibchen der Hinterleib zu verbreitern, während die Männchen schlanker bleiben. Beide Geschlechter sind während ihrer Entwicklung sehr aktiv, in der letzten Haut werden die Weibchen aber immer standorttreuer und ruhiger.




Heimat
Kombination Weideland und Wälder
Stagmomantis carolina bewohnt fast alle Lebensräume, von dichten Wäldern über Sumpf bis zu Weideland. Es ist anzunehmen, dass die verschiedenen Farbvariationen je nach Aufenthaltsort dominieren. In den Wiesen findet man mehr grüne Exemplare während in den Wäldern die Rindenimitationen überwiegen. Der "Mark Twain National Forest" ist eine Mischung von Eichen und Zedernbeständen. Er ist ungefähr 100 Jahre alt (es gab einen grossen Waldbrand bei der Jahrhundertwende). Das Klima variiert von Jahr zu Jahr. Schwere Regenfälle im Frühling oder Trockenheit im Sommer können vorkommen. Sogar in der extremen Trockenheit von 1999 schien die Population dieser Gottesanbeterin nicht beeinträchtigt gewesen zu sein. Es gab so viele wie in anderen Jahren.




Die Haltung und Aufzucht
Ich habe Stagmomantis carolina während vieler Jahre grossgezogen. Diese Art ist sehr anpassungsfähig und gedeiht sogar unter wiedrigen Umständen. Ich lasse die Nymphen in einem kleinen Terrarium schlüpfen und trenne sie nachher und halte sie separat in einzelnen Döschen. Ich trenne sie, weil sie sehr kannibalische kleine Tiere sind und man innert kürzerster Zeit nur noch ein Tier in dem Aufzuchtbehälter hat. Was die Temperatur anbelangt sind sie nicht heikel und man kann sie gut bei Raumtemperatur halten. Die bevorzugte Beute sollte nicht mehr als die Hälfte der eigenen Körperlänge haben. Sie fressen viel und gern, aber lassen sich nicht auf Zweikämpfe mit ihrer Beute ein. Speziell die Männchen lassen allzu wehrhafte Beutetiere lieber fallen. Sie ziehen es vor ihre Beute in Ruhe zu verspeisen. Sind sie sehr hungrig kommt es auch mal vor, dass sie die Beute verfolgen, sie ziehen es aber vor, im Hinterhalt auf eine günstige Gelegenheit zu warten. Sie sind zu jeder Stunde aktiv , vorallem die Männchen sind immer auf Entdeckungsreise, falls es der Platz erlaubt. Ich konnte S.carolina schon in der für Mantiden typischen Abwehrstellung beobachten, aber nur sehr selten. Ich bin sicher, dass Fotos einer carolina in Abwehrpose, nur nach langem Stören mit einem Stift oder so, möglich waren. Normalerweise sind die Tiere sehr neugierig und zahm. Neugierig, sodass sie einem Beobachter schon fast spielerisch und intelligent erscheinen, lassen sie sich auf einen Boxkampf mit dem hingestreckten Finger ein. Einmal erkannt, dass keine Gefahr besteht, wird der Finger schon sehr schnell zum Klettern benutzt. Gut gefütterte Weibchen lassen die Männchen normalerweise problemlos zur Paarung schreiten.


Danke
Vielen Dank an meine Frau Charlotte. Ohne ihre Akzeptanz meines Hobbies wäre ich wohl nicht in der Lage all diese Beobachtungen zu machen. Und, natürlich, an Juerg und Thomas (ich bin nicht sicher wer das Huhn und wer das Ei ist) für den Beginn dieser wunderbaren Seite.


Bibliographie
Prof. E. Giglio-Tos Das Tierreich Mantidae Berlin und Leipzig, 1927




Wenn Sie mehr Bilder sehen möchten, werfen Sie einen Blick auf die Insekt-Galerie.

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C.Herger Thomann
cherger@townsqr.com