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Sonntag, 06. Dezember 2009

Auf Lichtfang in Venezuela (Teil II)


Automeris metzli - WEIBCHEN
Lichtfang-Anlage
Lichtfang-Anlage
Automeris metzli - JUNGRAUPE
Automeris metzli - RAUPE
Automeris metzli - PUPPE
Automeris hamata - WEIBCHEN
Automeris hamata - MÄNNCHEN
Automeris hamata - JUNGRAUPE
Automeris hamata - RAUPE
Automeris hamata - PUPPE
Dirphia avia - MÄNNCHEN
Dirphia avia - WEIBCHEN
Dirphia avia - WEIBCHEN
Dirphia avia - RAUPE
Dirphia avia - RAUPE
Dirphia flora - WEIBCHEN
Dirphia flora - RAUPE
Hylesia ebalus - WEIBCHEN
Hylesia ebalus - RAUPE
Hylesia ebalus - PUPPE
Hylesia nimbasa - WEIBCHEN
Hylesia nimbasa - JUNGRAUPE
Hylesia nimbasa - RAUPE
Hylesia mollina - WEIBCHEN
Hylesia mollina - WEIBCHEN
Hylesia mollina - JUNGRAUPE
Hylesia mollina - RAUPE
Hylesia mollina - PUPPE

Die Familie der Augenspinner (Saturniidae) überrascht durch die Vielfalt in Form und Farbe. Nicht nur die Falter, sondern auch die Raupen erstaunen den Betrachter immer wieder auf's Neue. Die Artenvielfalt macht speziell Südamerika zu einem Eldorado für interessierte Entomologen. Um diese Arten beobachten und fotografieren, oder wie Bernhard Wenczel züchten zu können, bedarf es einer handlichen, aber effektiven Leuchtanlage.


Text : Thomas Maag
Bilder : Bernhard Jost

Die mobilsten Leuchtanlagen sind helle Gaslampen. Sie können gut im Gepäck mitgenommen werden und sind immer rasch zur Hand. Leider ist der Erfolg dieser Fallen eher bescheiden und jeder, der mehr sehen will, wird nicht ohne eine effektivere Anlage auskommen. Sehr gute Resultate werden mit kleinen, kompakten Geräten erreicht, die speziell für diesen Zweck konstruiert wurden. Zwar sind sie von einer Stromquelle abhängig, da ihnen aber eine 12 Volt-Speisung reicht ist dieses Problem - wenigstens für diejenigen Reisenden, die mit einem Auto unterwegs sind -  bereits gelöst. Alle anderen können sich mit Blei-Akkus behelfen, die bei einschlägigen Händlern gekauft werden können.

Um erfolgreich Lichtfang zu betreiben, sollte man sich vor der Reise über die genauen Mondverhältnisse während des Reise informieren. Erfahrungen haben gezeigt, dass Lichtfang in Mondnächten zu erheblich schlechteren Resultaten führen kann. Sogar bei bedecktem Himmel scheint das Mondlicht die Falter davon abzuhalten, die künstliche Lichtquelle anzufliegen. Bedeckte, schwüle Gewitterstimmungen bei Leermond sind die besten Voraussetzungen für Erfolg. Natürlich ist auch der Standort der Lampe wichtig für das Resultat. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Lichtquelle möglichst offen steht und so einen grossen Raum ausleuchtet. Ein auf den Boden gelegtes Tuch erleichtert die Kontrolle der Lampe und verhindert , dass am Boden sitzende Tiere übersehen werden. Die Weibchen vieler Arten kommen nicht direkt ans Licht, sondern setzen sich in der Peripherie des Lichtscheins auf den Boden oder auf Pflanzen.

Die folgenden Tiere stammen aus der Zucht von Bernhard Wenczel. Ich möchte einige Arten der Unterfamilie Hemileucinae genauer zeigen, dann aber auch andere Arten der Familie Saturniidae aus Venezuela vorstellen.

Automeris metzli (Salle)
Mit einer Spannweite von über 10 cm gehört diese Art zu den grösseren Vertretern der Gattung Automeris. Ihre Raupen sind wohl die farbenprächtigsten überhaupt. Hautkontakte mit den Larven können zu sehr schmerzhaften Entzündungen führen. In Gefangenschaft fressen sie gern Buche als Ersatzfutter. Diese Art ist über das ganze nördliche Südamerika bis hinauf nach Mexico verbreitet. Die hier abgebildeten Tiere stammen aus Barinitas im Staate Barinas.

Automeris hamata (Schaus)
Automeris hamata kann eine Spannweite bis 8 cm erreichen. Die Falter haben ein grosses Verbreitungsgebiet, dass sich über fast ganz Südamerika erstreckt. Ich selber habe Raupen dieser Art in Ecuador in der Nähe von Santiago de Mendez im Amazonastiefland gefunden. Die Raupen scheinen sehr polyphag zu sein und nehmen auch in Gefangenschaft viele verschiedene Ersatzfutter problemlos an. Man kann sie mit Buche, Weide, aber auch Liguster füttern. Die abgebildeten Tiere wurden beim Lichtfang in Barinitas/Venezuela gefangen.

Dirphia avia (Stoll 1780)
Diese Art ist weit verbreitet über ganz Süd- und Mittelamerika. Sie fliegt im Tiefland sowie in höheren Lagen. Die grossen Raupen sind nur schwach mit Brennhaaren versehen und scheinen auch wenig zu nesseln. Die Raupen sind polyphag und nehmen auch in Gefangenschaft gerne Kirschlorbeer (als Winterfutter), Weiden und anderes Laub als Ersatzfutter an. Da die Falter sehr variabel sind, wurde diese Art schön mehrfach als Neuentdeckung beschrieben. Die abgebildeten Tiere stammen aus Barinitas.

Dirphiopsis flora (Schaus 1911)
D. flora hat ein grosses Verbreitungsgebiet, welches sich vom nördlichen Südamerika, über Mittelamerika bis nach Mexico erstreckt. Die Art ziehen tiefere Lagen vor. Die Wirkung der Brennhaare der Raupe ist eher bescheiden. Sie fressen als Ersatzfutter Weide. Im Gegensatz zu Automeris, verpuppen sich Dirphiopsis in einer Erdhöhle am oder im lockeren Boden.

Hylesia ebalus (Cramer 1775)
Die Falter dieser Art sind eher unscheinbare Tiere. Sie gehören ebenfalls in die Automeris-Verwandschaft und ihre Raupen haben ebenfalls Brennhaare, deren Wirkung aber schwach ist. Ausgewachsene Raupen fertigen ihre Kokons zwischen den Blättern der Futterpflanze. Die abgebildeten Tiere stammen aus Barinitas. Die Raupen haben Weide als Ersatzfutter gut akzeptiert.

Molippa nimbasa (Maasen)
Die Gattung Molippa gehört wie die Automerisarten zur Unterfamilie Hemileucinae. Sie ist mit ca. 20 Arten im tropischen Amerika verbreitet. Die mit sehr starken Brennhaaren versehenen Raupen verpuppen sich zwischen Blättern in einem dünnwandigen Kokon. In Gefangenschaft akzeptieren die Raupen Weide als Ersatzfutter. Die hier abgebildeten Tiere stammen aus Barinitas.

Syssphinx molina (Cramer 1780)
Diese Gattung gehört zur Unterfamilie Ceratocampinae und ist somit eng verwandt mit den Gattungen Aglia, Eacles und Citheronia. Syssphinx-Arten sind weit verbreitet im ganzen tropischen Amerika. Nur wenige Molippaarten sind in Europa zu züchten, da sie meist Futterspezialisten sind und nicht gerne etwas anderes fressen. Die Zucht dieser Art ging sehr leicht an Weide. Die hier gezeigten Tiere stammen aus Barinitas.

Literatur
Claude LEMAIRE:
Révision du Genre Automeris (Hübner) et Genres voisins
Mémoires du Muséum national d'Histoire naturelle Paris