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Donnerstag, 21. Januar 2010

Haltung und Zucht von Eremiaphila spec.


Das zugespitze Ende der Oothek dient den Larven als Ausstiegsluke. (Bild: J. Sommerhalder)
Junglarven mögen nur kleine Beutetiere und sind daher auch verträglich untereinander. (Bild: S. Materna)
Paar: Weibchen links, Männchen rechts (Bild: S. Materna)
Das Männchen tastet mit dem Abdomenende nach demjenigen des Weibchens (Bild: S. Materna)

Die Vertreter der Gattung Eremiaphila sind wüstenbewohnende Gottesanbeterinnen und den extremen Bedingungen dieses kargen Lebensraums gut angepasst.Text: Jürg Sommerhalder Bilder: Sören Materna & Jürg Sommerhalder

Behältnis
Oben offener (Eremiaphila kann keine Glascheiben hochklettern) Reihen-Glasbehälter mit mehreren Abteilen à 35x25x35cm (LxBxH), 5 cm hoch mit feinem Sand und kleinen Kieselsteinen befüllt. Über dem Behälter eine Reihe Niedervolt-Halogen-Strahler (20 Watt), von denen jeweils einer 20 cm über dem Sand in jedes Abteil hängt.

Zeitigung
Die beiden von Kai Schütte erhalteten Gelege wurden so in feinem Sand eingegraben gezeitigt, dass deren Fortsatz, welcher den Larven als Ausstiegsschleuse dient, eben noch aus dem Sand ragte. Der Halogenspot über der Substratoberfläche  erzeugte in der Lichtkegelmitte eine Höchsttemperatur von 43 Grad Celsius. Da die Behälter oben offen sind konnte weder stauende Hitze noch Nässe entstehen, guter Luftaustausch ist so gewährleistet. Die nächtliche Temperatur-Absenkung lag bei rund 22 Grad, sodass Nachttemperaturen von gut 20 Grad C. vorherrschten.
Ein Mal wöchentlich wurden die Gelege ausgiebig mit Wasser besprüht.
Der Zeitpunkt der Eiablage meiner ersten Ootheken war nur ungefähr bekannt, er lag rund zwei Wochen zurück, als ich sie erhielt.
Die Larven dieser Art schlüpfen einzeln und nicht im Verband. Es dauerte sechs Wochen bis die erste Larve das Gelege verliess, und eine weitere bis die zweite folgte. Mir fiel auf, dass in beiden Fällen dem frühmorgens erfolgten Schlupf der Larven eine nächtliche Besprühung vorangegangen war. Ich machte die Probe aufs Exempel, wartete einige Tage und sprühte dann in drei aufeinanderfolgenden Nächten Wasser. Am dritten Morgen sassen vier frisch geborene Larven im Sand. Hörte ich auf zu sprühen, schlüpfen die Larven wieder einzeln und in längeren Abständen. Später konnte ich dasselbe Verhalten bei meinen eigenen Nachzuchten beobachten. Insgesamt entstand der Eindruck, dass die Larven fertig entwickelt über einen gewissen Zeitraum eine optimale, sprich feuchtere Nacht abzuwarten vermögen, bevor sie das Gelege verlassen.
Spritzwassermenge- und Frequenz können bei dieser Art offenbar ganz gezielt als Schlupf-Regulativ eingesetzt werden.

Aufzucht
Aus den beiden ersten Ootheken schlüpften während einer Zeitspanne von acht Wochen 20 Larven. Die Körperlänge im ersten Stadium beträgt 3 - 4 mm, das ist gerade gross genug, um mit Mühe eine herkömmliche Drosophila-Fliege bewältigt werden kann. Besser eignen sich als Anfangsfutter junge Ofenfischchen, Junggrillen, oder dann die kleinere, stummerflügelige Drosophila-Art, die bei uns manchmal im Handel angeboten wird. Generell kannn festgehalten werden, dass die Larven dieser Art grösseren Beutetieren gegenüber recht zurückhaltend sind; dies ändert sich erst mit eintretender Geschlechtsreife.
Aus diesem Grund versuchte ich bei der Aufzucht der zweiten Generation Gruppenhaltung, und kam mit acht Larven auf einer Fläche von 25 x 35 cm während der ersten Stadien verlustlos durch.

Die Haltungsbedingungen der Tiere entsprachen denjenigen der Ootheken. Tagsüber Höchsttemperaturen von 43 Grad, wobei die Tiere sich meistens mitten im Lichtkegel aufhielten, obschon an dessen Peripherie deutlich tiefere Temperaturen (bis 10 Grad kühler) vorherrschten.
Nachts eine deutliche Absenkung auf gut 20 Grad C. und zweimal wöchentlich eine kräftige Dusche. Während des extrem heissen Sommers 2003 erreichten die Temperaturen in meiner Wüstenanlage 50 Grad Celsius, die Tiere steckten diese Temperaturen weg, benötigten aber deutlich öfter Wasser.

Die erste von mir aufgezogene Generation fiel auf durch eine extreme Geschlechterverteilung von 9:1 zugunsten der Männchen. Nachfolgende Generationen bestätigten diesen Wert, allerdings nicht gebunden ans männliche Geschlecht.
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Die erwachsenen Tiere sind in beiden Geschlechtern kurzbeflügelt, die Weibchen (45 mm) werden etwas grösser als die Männchen (35 mm) und wirken durch das verbreiterte Abdomen deutlich wuchtiger als diese. Mit Erreichen des Imaginalstadiums legt sich die Hemmung beider Geschlechtern gegenüber grösseren Beutetieren gründlich, dies geht sogar soweit, dass eines meiner versehentlich hungrig zu einem Weibchen gesetzten Männchen dieses zwar unmittelbar besprang, ihr aber ebenso unverzüglich ein Loch ins laterale Abdomen zu fressen begann, anstatt sich anderweitig mit ihr zu befassen. Ohne mein Eingreifen hätte das Weibchen keinesfalls überlebt

Nachzucht
Erst gute acht Wochen nach ihrer Reifehäutung begannen meine Männchen sich in arterhaltender Weise für die Weibchen zu interessieren, dann allerdings nachhaltig: die Geschlechtsakt dieser Art kann nur mit Vergewaltigung der allerrohsten Art umschrieben werden. Das Männchen stürzt sich unter Auslassung jeglicher Vorsicht und ohne das geringste Anzeichen artspezifischen Balzverhaltens auf das Weibchen und packt sie, wo immer er sie auch zu fassen kriegt. Das Weibchen wehrt sich so verhement und das Männchen ist von derart hartnäckigem Zielstreben, dass die Tiere oftmals ineinander verkeilt sich überschlagend minutenlang durch den Sand kugeln und dabei Kieselsteine an die Wände des Glasbehälters spritzen. Letztlich aber hockt der Mann wo er hocken soll, auf ihrem Rücken nämlich, hat seine beiden Fangarme unter ihrem Kopf verschränkt und sein Abdomenende beginnt unverzüglich das ihre zu suchen. Während sie sich weiterhin wehrt - aufgrund seiner sicheren Positon nun chancenlos - übergibt er das Spermapaket innerhalb von höchstens 10 Minuten und springt dann blitzschnell ab. In der weit aufklaffenden Geschlechtsöffnung des Weibchen ist das Spermatoforum vor dessen Abstossung deutlich zu sehen.
Jedes Weibchen fertigt bis zu 10 Ootheken an. Es zieht es mit Hilfe seiner Abdomenspitze eine etwa 20 mm tiefe Furche in den Sand. Während sie dann, sich langsam vorwärts bewegend, ihre Eier in diese Furche abgibt, schaufelt das hinterste Beinpaar gleichzeitig Sand über den bereits fertiggestellten Teil des Geleges. Die fertige Oothek ist komplett im Sand vergraben, da dies während der Eiablage geschieht, ist das Gelege nach Aushärtung des "Isolierschaumes" sandbeschichtet.

Bemerkenswert ist die extreme Langlebigkeit der adulten Tiere. Das älteste Tier, ein Männchen, erreichte bei mir - von der Imaginalgäutung an gerechnet - einen Lebensspanne von über 6 Monaten, dabei kopulierte es noch 10 Tage vor seinem Ableben mit derselben Vehemenz wie in seinen jungen Tagen.