


| Invasion der Tausendfüßer |
| Monday, 29. October 2007 | |
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Unmengen an Tausendfüßern mit wissenschaftlichem Namen Megaphyllum unilineatum fallen regelmäßig während der Nacht über eine kleine deutsche Ortschaft her.
Seit Jahren bekommen die Einwohner von Obereichstätt in Bayern jeden Herbst und manchmal auch im Frühjahr diesen unliebsamen Besuch aus den westlich des Dorfes gelegenen brach liegenden Feldern. Zu Tausenden fallen die Gliedertiere nachts ins Dorf ein und belagerten beleuchtete Mauern, Gärten und manchmal ganze Häuser, um schließlich im Morgengrauen wieder zu verschwinden...
Zu allem Überfluss ist das Wehrsekret, welches die Tiere in Stress-Situationen abgeben, recht übelriechend, was noch nach Stunden an ihren Besuch erinnern kann. 2006 erreichte die Invasionen ihren Höhepunkt, als die Tiere in so großer Zahl auftraten, dass sie eine ganze Straße am Ortsrand bedeckten. Derartige Massenauftreten von Tausenfüßern sind nicht unbekannt. In den vergangenen Jahren wurden neben Obereichstätt auch Gemeinden in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und dem österreichischen Vorarlberg von diesen Tieren heimgesucht. Im 20. Jahrhundert stoppten sie im Elsass mancherorts gar den Zugverkehr, wenn sie Gleise belagerten und die Lokomotiven auf den Schienen keinen Halt mehr fanden.
Die Einwohner von Obereichstätt haben nun zum Gegenschlag ausgeholt. Zum einen verzichtet man aufgrund ihrer lockenden Wirkung auf die Straßenbeleuchtung, zum anderen wurde eine Mauer der besonderen Art errichtet, um die Invasoren aufzuhalten. Sie ist aus Blech, 30 cm hoch und fast 200 Meter lang. Die ca. 6000 Euro teure Barriere wird täglich von Anwohnern kontrolliert, welche die nächtlichen Besucher einsammeln. Der Einsatz von Gift scheidet aus, da sich die betroffenen Felder in einem Wasserschutzgebiet befinden. Außerdem fehlt es an geeigneten Spritzmitteln, um spezifisch nur diese krabbelnden Plagegeister zu treffen ohne gleichzeitig das gesamte Ökosystem vor Ort zu schädigen. Die Ironie an der Geschichte liegt in der Tatsache, dass es sich bei Tausendfüßern unter normalen Umständen um "Nützlinge" handelt. Da in Deutschland seit Jahren die Grundlagenforschung in weiten Bereichen der Zoologie eingeschränkt wird, obwohl die Biologie vieler einheimischer Tierarten noch nicht einmal geklärt wurde, kann über die möglichen Ursachen für ein derartiges Massenauftreten nur spekuliert werden. Bis zur Klärung der biologischen Ursachen, die unter Umständen neue Lösungen aufzeigen könnten, werden sich manche an den Anblick von Schutzzäunen gewöhnen müssen und dürfen sich bei denjenigen bedanken, die ihre Freizeit opfern, damit der Rest beruhigt schlafen kann. (jm)
Quelle:
Original-Bericht (Augsburger Allgemeine)
Links:
Tausendfüßer (Wikipedia)
Biologische Schädlingsbekämpfung (Agrolytix)
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