 Braunbär (Ursus arctos), Foto: Reno Sommerhalder Der Bär «JJ3», der vor einigen Monaten in der Schweiz von sich reden machte, hat seinen Winterschlaf offenbar bereits beendet.
Er soll in der Nähe des Albulapasses gesehen worden sein. Falls er sich
erneut den Siedlungsgebieten nähert, könnten die Graubündner Behörden
eine Abschuss-Erlaubnis erteilen - was für den WWF höchst fragwürdig
wäre.
Einer Mitteilung des Amtes für Jagd und Fischerei des Kantons
Graubünden zufolge hat der Bär «JJ3» seinen Winterschlaf beendet. Nach
vier Monaten Winterruhe habe er kleine Touren in der näheren Umgebung
unternommen. Falls der Winter seine Offensive fortsetzt, könnte der
Sohlengänger sich jedoch noch einmal in seine Höhle zurückziehen, denn
Bären haben nach dem Aufwachen nicht sofort Hunger. Ihr Körper braucht
ein paar Tage Zeit, um sich wieder an den Wachzustand zu gewöhnen.
Letztes Jahr hatte «JJ3» unbeaufsichtigte Schafe gerissen und
Bienenstöcke geplündert. Auch Abfallkübel und Container hatte er in der
Lenzerheide durchwühlt. Ein für den Regierungsrat Stefan Engler
inakzeptables Verhalten. Engler erklärte im vergangenen Dezember, dass
«JJ3» abgeschossen würde, falls er sich erneut Wohngebieten nähern
sollte.
„Die Zusammenarbeit mit dem Kanton Graubünden ist bisher sehr
erfolgreich verlaufen; es wäre schade, wenn die Verantwortlichen
aufgrund der Druckversuche von wenigen Personen voreilige
Entscheidungen treffen“, sagt Kurt Eichenberger, Projektleiter
Biodiversität beim WWF. Der WWF möchte seine Zusammenarbeit mit den
Bündner Behörden fortsetzen und dafür sorgen, dass Schutzmassnahmen für
Schafe und Bienenstöcke ergriffen werden und das Abfallproblem (leicht
zugängliche Container) angegangen wird.
Überdies löst der Abschuss eines Tieres das Problem nicht - wie die
Beispiele anderer Raubtiere wie Wolf oder Luchs deutlich machen: Der
freie Platz wird schnell von einem anderen Tier eingenommen. „Die
bisher vom Kanton durchgeführten Vergrämungsmassnahmen haben sich
bewährt: Der Bär hat sich in die Berge zurückgezogen. Diese Massnahmen
müssen jedoch mehrfach wiederholt werden, um nachhaltig Erfolg zu
haben. Das braucht Zeit“, erklärt Joanna Schoenenberger,
Bärenspezialistin beim WWF. Dies ist auch der Grund, warum für den WWF
ein Abschuss des Bären keine Lösung ist.
„Ausserdem ist JJ3 ist ein Problembär, aber kein Risikobär. Deshalb
darf er gemäss dem ‚Konzept Bär’ des Bundes nicht abgeschossen werden“,
sagt Joanna Schoenenberger. „Die Schweiz sollte die
Vergrämungsmassnahmen für diesen Bären fortsetzen und damit Erfahrungen
sammeln. Denn das kommt nicht nur den Kantonen, sondern dem ganzen Land
zugute und kann auch für andere Länder des Alpenbogens hilfreich sein.“
„Der Bärenbestand im Trentin ist zu klein, um uns den Verlust eines
Repräsentanten dieser Gattung leisten zu können. Im ganzen Alpenbogen
ist die Situation für die Bären nach wie vor prekär“, erklärt Joanna
Schoenenberger. Kürzlich hatte der WWF Österreich Alarm geschlagen: Von
den 1989 in Österreich erfassten 35 Bären sind nur noch zwei oder drei
am Leben.
Dem Bundesamt für Umwelt zufolge wird ein Bär zum Problembären, wenn er
entdeckt hat, dass der Mensch für ihn keine Gefahr darstellt und er
deshalb nur seine Angst zu überwinden braucht, um an neue
Nahrungsquellen zu kommen. Er nähert sich daher immer mehr dem
Menschen, den Wohnsiedlungen und Dörfern. Die sich daraus ergebenden
Begegnungen mit dem Menschen können sich als gefährlich erweisen, wenn
der Bär aggressive Verhaltensweisen entwickelt. In diesem Fall müssen
Vergrämungsmassnahmen ergriffen werden.
Ein Risikobär ist ein Tier, das trotz wiederholter Vergrämung keine
wachsende Menschscheu zeigt oder das sich einem Menschen gegenüber
aggressiv verhält, ihn verletzt oder gar tötet. Sobald ein Bär als
Risikobär eingestuft wird, muss er abgeschossen werden.
Quelle: Pressemitteilung (WWF Schweiz)
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