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Dienstag, der 09.02.2010
Die Familie der Dipluridae (Simon, 1889)
Wednesday, 20. June 2007

Diplura spec.Die Vertreter der Dipluridae sind sehr kleine bis recht grosse Spinnen und nahe verwandt mit den Vogelspinnen (Theraphosidae). Eines ihrer auffälligsten Merkmale sind die oftmals stark verlängerten Spinnwarzen. Ihre Angewohnheit grosse, trichterförmige Netze zu weben hat den Dipluridae den Trivialnamen Trichternetz-Vogelspinnen eingebracht.

 

 

Seit einiger Zeit werden immer wieder Vertreter der Dipluridae in geringen Stückzahlen sowohl von kommerziellen Ex- bzw. Importeuren, als auch von Privatpersonen nach Deutschland eingeführt. Die Bestimmung dieser Arten gestaltet sich aufgrund mangelnder Bearbeitung gerade bei den größeren Vertretern der Unterfamilie Diplurinae (Diplura sp., Harmonicon sp., Linothele sp. und Trechona sp.) als äußerst schwierig. Abgesehen von Vertretern dieser Unterfamilie kamen bisher nur drei Arten der Unterfamilie Ischnothelinae in den Handel. Tiere der übrigen zwei Unterfamilien (Euagrinae und Masterinae) sucht man leider bisher vergebens. 

 

Text & Bilder: Bastian Drolshagen 

 

 

Systematik und Taxonomie

Die Familie der Dipluridae wurde 1889 von EUGÉNE SIMON (* 30.04.1848  † 17.11.1924) etabliert.Sie enthält laut Platnick175 Arten in 24 Gattungen.Bereits im Jahr 1832 wurde die erste Dipluridae, Mygale venosa (heute der Gattung Trechona zugeordnet) von Latreille beschrieben.In den darauffolgenden Jahren kamen weitere einzelne Beschreibungen hinzu. Der erste, dem Autor bekannte, Bestimmungsschlüssel und eine Revision im weitesten Sinne findet sich in CAMBRIDGE, F. O. P (1896).  

 

 

Allgemeines zu Dipluridae

Verbreitung der Dipluridae
Verbreitung der Dipluridae

Bei Vertretern der Dipluridae handelt es sich um kleine bis große Spinnen. Der kleinste bekannte Vertreter der Familie ist Microhexura montivaga, welche im weiblichen Geschlecht eine maximale Körpergröße von 3,8mm erreicht, wohingegen Linothele megatheloides eine Körperlänge von ca. 6cm erreicht. Bis auf wenige Ausnahmen (Trechona sp., Diplura garleppi und Linothele cavicola) bauen alle Dipluridae Trichternetze. Dipluridae besiedeln weltweit Gebiete in Äquatornähe, wobei einige Arten auch noch weiter südlich vorkommen (siehe Abb. 1).  

 

 

Becher zur Haltung von Ischnothele
Becher zur Haltung von Ischnothele
Haltung und Zucht von Dipluridae

Zur Haltung und Zucht von Dipluridae sp. eignen sich Behältnisse von einem Liter Inhalt (siehe Abb. 2)für Ischnothelinae, bzw. von einer Kantenlänge ab 20cm für Diplurinae, wobei nach oben hin kaum Grenzen gesetzt sind. Laut Pablo Goloboff (GOLOBOFF, 1994) bauen Ischnothele digitata in freier Wildbahn Trichternetze mit einem Durchmesser von ca. 60cm. Aber nur die wenigstens Hobbyhalter kämen auf die Idee einer Spinne mit einer Körperlänge von max. 2,5cm ein Terrarium mit einer Kantenlänge von 60cm anzubieten. Die Einrichtung der Behältnisse kann sehr einfach gehalten werden, es reichen ca. 5cm Bodengrund und ein schräg eingebrachtes Stück Holz. Eine Bepflanzung der Terrarien ist möglich, wird aber relativ schnell vom Gespinst der Spinne überdeckt.

Eine Ausnahme bezüglich der Haltung stellt Diplura sp. „Oyapok“ dar. Diese Tiere zeigen eine starke Grabtätigkeit, weshalb es sich empfiehlt der Art mindestens 15cm Bodengrund anzubieten. Die Röhren der Tiere, welche an der Oberfläche in einem Trichternetz enden, werden ca. 2-5cm senkrecht in die Erde gegraben und führen dann in einem Winkel von etwa 45° weitere 10cm tief in die Erde.

 

Weibchen von Linothele spec. (Bolivien)
Weibchen von Linothele spec. (Bolivien)
In der Regel nehmen Dipluridae jedes angebotene Behältnis dankend an und beginnen relativ schnell ihr Trichternetz mit dem dazu gehörigen, mit Seide ausgekleideten Unterschlupf zu weben. Dieses Netz wird in kurzer Zeit das gesamte Behältnis ausfüllen.Die Zucht von Dipluridae gestaltet sich in der Regel sehr einfach. Bei gleichen Haltungsbedingungen erreichen Jungtiere eines Kokons etwa zeitgleich die Geschlechtsreife, wobei die Weibchen dann noch nicht ihre volle Körpergröße erreicht haben. Etwa 2-4 Wochen nach der Reifehäutung baut das Männchen in seinem Gespinst ein Spermanetz und ist ab diesem Zeitpunkt paarungsbereit.
Männchen von Linothele spec. (Bolivien)
Männchen von Linothele spec. (Bolivien)
Zur Paarung entlässt man das Männchen einfach in das Terrarium des Weibchens. Nachdem es das Gespinst des Weibchens berührt hat beginnt es relativ schnell mit der Balz, indem es mit den Pedipalpen auf die Gespinstdecke trommelt und mit den Beinen am Netz zupft. Ist das Weibchen paarungsbereit kommt es an den Ausgang seines Trichternetzes und erwidert die Balz. Zur Paarung hackt das Männchen die Dornen der Tibia I (Nur wenige Dipluridae besitzen „echte“ Apophysen, meist handelt es sich nur um einen verlängerten Dorn, welcher die Aufgabe einer Tibia-Apophyse übernimmt) ein, stemmt das Weibchen hoch und paart sich mit ihr.
Die Paarung verläuft friedlich und nach deren Beendigung trennen sich die beiden Tiere wieder, Kannibalismus ist selten zu beobachten. Es ist durchaus möglich das Männchen noch für weitere Paarungen im Terrarium des Weibchens zu belassen. In der Regel wird es von diesem nicht behelligt.

 

Linothele-Weibchen bewacht ihren Kokon
Linothele-Weibchen bewacht ihren Kokon
Nach etwa zwei bis vier Wochen beginnt das Weibchen mit den Vorbereitungen auf den Kokonbau. Spätestens jetzt sollte das Männchen aus dem Terrarium entfernt werden. Zur Vorbereitung auf den Kokonbau webt das Weibchen eine undurchsichtige, weiße waagerechte Matte innerhalb seines Gespinsts. Nur ein bis zwei Tage später begibt es sich in die Mitte dieser Matte um seine Eier abzugeben. Durch das Gewicht der Eier hängt die Matte nach unten durch. Hat das Weibchen alle Eier abgegeben beginnt es damit diese von oben mit mehreren Gespinstlagen zu bedecken. Der Kokon wird nicht aus dem Gespinst gelöst, sondern hängt frei in diesem. Weibchen von Linothele cf. fallax sitzen in der Folgezeit eigentlich permanent auf dem Kokon und bewachen ihn (siehe Abb. 2). Bei Ischnothele caudata konnte ein solches Verhalten dagegen nicht beobachtet werden.

 

Nach etwa vier Wochen häuten sich die Prälarven aus dem Chorion. Sie weichen allerdings erheblich vom Aussehen der Prälarven von Theraphosidae ab: Ihre Beine liegen weiterhin eng am Körper, wodurch sie immer noch den Eindruck einer Kugel erwecken. Nach ein bis zwei weiteren Wochen folgt die nächste Häutung ins Larvenstadium, in dem die kleinen Spinnen aus dem Kokon schlüpfen. Kurz darauf häuten sie sich ins erste Nymphenstadium und beginnen gemeinsam zu jagen und zu fressen. Sie verbleiben noch einige Zeit im Gespinst des Muttertiers.

 

Gemeinschaftshaltung von Ischnotehele
Gemeinschaftshaltung von Ischnotehele
Unter normalen Aufzuchtbedingungen erreichen die meisten Dipluridae nach etwa einem Jahr die Geschlechtsreife.Es hat sich gezeigt, dass die verfügbaren Dipluridae ein breites Verhaltensspektrum aufweisen, sowohl in Bezug auf innerartliche Toleranz, als auch auf ihre allgemeinen Lebensgewohnheiten.

So ist es beispielsweise möglich mehrere Tiere einer Art (vor allem bei Vertretern der Ischnothelinae) zusammen in einem ausreichend dimensionierten Behälter zu halten. Als Beispiel sei die Gruppenhaltung des Autors von 2.5 Ischnothele caudata in einem 30 X 30 X 40cm Terrarium erwähnt (siehe Abb. 4). Im Zuge dieses Experiments konnten interessante Beobachtungen, wie beispielsweise das Paarungsverhalten oder auch das Brutpflegeverhalten beobachtet werden. Männchen der Art zeigen bei der Balz um ein Weibchen einen ähnlichen „Paarungstanz“ wie dies bereits von Frederick, A. Coyle (COYLE, 1990) für Thelechoris striatipes beschrieben wurde. Weibchen der Art versorgen ihre Nachkommen aktiv mit Futter, welches sie in ihrem Gespinst schlagen und zu den Jungtieren bringen um dann zusammen mit ihnen daran zu fressen.

Das Weibchen und ihre Jungen fressen das Männchen
Das Weibchen und ihre Jungen fressen das Männchen
Der Autor konnte nur einmal beobachten wie ein Weibchen von Ischnothele caudata ein Männchen fraß (gemeinsam mit den Jungtieren – siehe Abb. 5). Dieses Männchen war allerdings schon relativ alt und hatte bereits vor dem missglückten Paarungsversuch zwei Beine und einen Pedipalpus verloren. Es kann davon ausgegangen werden, dass dieses Männchen aufgrund seines hohen Alters und dem Verlust der genannten Gliedmaßen nicht mehr in der Lage war die zur Balz notwendigen, artspezifischen Merkmale zu senden und deshalb angegriffen wurde.

Das Experiment endete mit der explosionsartigen Vermehrung der Art, was zur Folge hatte, dass einige Spiderlinge aus dem Terrarium entwichen und sich in Pflanzen, welche in der direkten Umgebung des Terrariums standen einnisteten. Ein Weibchen überlebte über 4 Monate in einer Pflanze und baute ein Trichternetz von ca. 40cm Breite und 20cm Tiefe, welches an den Blättern der Pflanze (einer Grünlilie) verankert war. Während der ganzen Zeit war das Tier standorttreu. Eine Freihaltung wäre demnach ebenfalls möglich, vor allem da die Art sehr tolerant auf Trockenheit und Futtermangel reagiert (das Tier wurde in den ersten 3 Monaten nicht aktiv vom Autor gefüttert).

Bei Auflösung der Gruppenhaltung befanden sich noch 1.5.~50 Ischnothele caudata und 10 befruchtete Kokons zu je ca. 80 Eiern der Art in dem Becken.   

 

Résumé

Bei Vertretern der Dipluridae handelt es sich bei entsprechendem Umgang um dankbare und relativ langlebige Pfleglinge. Es bleibt zu hoffen, dass die Nachzucht der bisher importierten Arten im derzeitigen, ausreichenden Maß fortgesetzt wird, um den Neuimport der Tiere unnötig zu machen.Die Unterfamilie Diplurinae bedarf einer weitreichenden Revision, an der Baptista und Pedroso zum Teil (Gattung Diplura und Trechona) bereits arbeiten. Nach Einschätzung des Autors ist damit zu rechnen, dass in nächster Zeit immer wieder neue Vertreter der Dipluridae importiert und somit auch dem interessierten Hobbyhalter zur Verfügung stehen werden. Aufgrund der teilweise geringen Stückzahlen solcher Importe sollten die Tiere in Zuchtprojekte eingegliedert werden um ihre Nachzucht zu ermöglichen und weitere Importe der Art weitestgehend unnötig zu machen.

 

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Literatur 

 

BAPTISTA, R.L.C. & PEDROSO, D. R. (2005): Diplura lineata (Lucas, 1857): redescrição, sinonímias e notas sobre distribuição (Araneae: Dipluridae). In: Primer Congreso Latinoamericano de Aracnología y V Encuentro de Aracnólogos del Cono Sur, 2005, Minas. Actas del Primer Congreso Latinoamericano de Aracnología, 2005. p. 239. 

 

CAMBRIDGE, F. O. P.- (189): On the Theraphosidae of the lower Amazons: being an account of the new genera and species of this group of spiders discovered during the expedition of the steamship "Faraday" up the river Amazons. Proc. zool. Soc. Lond. 1896: 716-766. 

 

CHAMBERLIN, R. V. (1916): Results of the Yale Peruvian Expedition of 1911. The Arachnida. Bull. Mus. comp. Zool. Harvard 60: 177-299. 

 

COYLE, F. A. (1984): A revision of the African mygalomorph spider genus Allothele (Araneae, Dipluridae). Am. Mus. Novit. 2794: 1-20. 

 

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COYLE, F. A. (1995): A revision of the funnelweb mygalomorph spider subfamily Ischnothelinae (Araneae, Dipluridae). Bull. Am. Mus. nat. Hist. 226: 1-133. 

 

COYLE, F. A. & T. E. MEIGS (1990): Two new species of Ischnothele funnelweb spiders (Araneae, Mygalomorphae, Dipluridae) from Jamaica. J. Arachnol. 18: 95-111. 

 

COYLE, F. A. & T. C. O'SHIELDS (1990): Courtship and mating behavior of Thelechoris karschi (Araneae, Dipluridae), an African funnelweb spider. J. Arachnol. 18: 281-296. 

 

GOLOBOFF, P. A. (1995): A revision of the South American spiders of the family Nemesiidae (Araneae, Mygalomorphae).Part I: species from Peru, Chile, Argentina and Uruguay. Bulletin of the American Museum ofNatural History, 224(1): 1-189. 

 

HELLER, M. & M. HELLER-DOHMEN (2004): Bemerkungenb zur Haltung und Zucht von Holothele incei (F.O. P.-Cambridge, 1898). ARACHNE 9(6): 18-29. 

 

MELLO-LEITAO, C. F. de. (1926a). Algumas Theraphosoideas novas do Brasil. Rev. Mus. Paulista 14: 307-324. 

 

PEDROSO, D. R. & R. L. C. BAPTISTA (2004): Redescription of Trechona venosa (Latreille, 1832) and designation of its neotype (Araneae: Dipluridae). Revta Ibérica Aracnol. 10: 149-156. 

 

PLATNICK, N. I. (2007): The world spider catalog, version 7.5. American Museum of Natural History, online at http://research.amnh.org/entomology/spiders/catalog/index.html 

 

RAAB, T. & B. DROLSHAGEN (2006): Die Gattung Heterothele KARSCH, 1879: Haltung und Zucht von Heterothele villosella STRAND, 1907 (Araneae, Theraphosidae, Ischnocolinae). ARACHNE 11(4): 13-20. 

 

RAVEN, R. J. (1985a): The spider infraorder Mygalomorphae (Araneae): Cladistics and systematics. Bull. Am. Mus. nat. H

 

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Weitergehende Informationen über diese weitgehend unbeachtete aber überaus interessante Gruppe der Echten Spinnen finden sich auf der Website des Autors Bastian Drolshagen: http://www.dipluridae.de

 
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