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Sonntag, 12. Dezember 2010

Briefe von den Philippinen: 10.12.2010


Der eine oder andere mag sich fragen, wieso lange keine Berichte mehr von mir kommen. Auch wurde mir zugetragen, dass sich viele gespannt fragen, wie es mit meiner Arbeit denn so vorangeht. Die Antwort auf beides ist ganz einfach, aber alles der Reihe nach.

Es ist nicht so, dass es nichts zu erzählen gäbe. Ganz im Gegenteil, ich war auf einer siebentägigen Expedition in den Bergen, als Ersatz für meinen verhinderten Kollegen, mitten im montanen bzw. später Tieflandregenwald. Ich habe Wildschweine (fast) gesehen und Korallenschnabelhornvögel und Wassserfälle noch und nöcher. Ja, ich habe mir auf dieser Tour sogar üble Pilzinfektionen an den Füssen geholt aufgrund der Feuchtigkeit und weil nie was trocknete da oben. Ich könnte was über Märsche im Dauerregen erzählen. Danach war ich wieder auf der Station, der Sibaliw-Triathlon fühlte sich neben dem Mt. Madja-as wie ein Spaziergang an.

Aber ich sollte wirklich mal einen kurzen Abriss meiner sogenannten „Arbeit“ hier darlegen. Als ich herkam, im Juli, stand ich schon bald vor dem Problem, dass die meisten Wälder für meine Studie ungeeignet oder zu weit weg bzw. unzugänglich sind (nämlich 1-2 Tagesmärsche à la Madja-as in die Pampa hinein). Außerdem sind viele nähere Wälder in Privatbesitz, ich kann da nicht einfach hin und Zäune stellen, ohne mit dem Eigentümer eine (meist monetäre) Übereinkunft zu treffen. Eine krötenfreie Insel war bis jetzt um ganz Panay und Negros herum auch noch nicht aufzutreiben. Dann, später, stellten sich die Behörden quer. Von allen wurde das unterschätzt, ach, da dürfte nach 15 Jahren Kooperation nichts passieren. Nun, es ist passiert. Aufgrund von Ungereimtheiten im Management des vorherigen Projekts wurde uns mitgeteilt, dass bis zur Klärung dieser Situation keine Exportpermits mehr erteilt werden. Das war Anfang November. Selbst die Arbeiten an der Station wurden untersagt, da wurde aber offenbar später etwas zurückgerudert, was für meinen einen Kollegen hier aber dann zu spät war. Zwar hab ich mit all dem nichts zu tun, ich bin halt „nur“ Kollateralschaden (O-Ton!), weil meine Permits übers alte Projekt laufen. Aber weiterhelfen tut mir die Tatsache, nur Kollateralschaden zu sein, auch nicht. Etwa ein Drittel meiner Zeit hab ich mit Klinkenputzen und Vorstellungsgesprächen bei Behörden verbracht, alles für’n Arsch.

Zwischendurch wurden die meisten von uns krank, da war es auch etwas schwierig, mit der Arbeit voranzukommen. Wenigstens waren jeweils andere da, um auszuhelfen. So z. B. gingen zwei oder mehr Wochen insgesamt drauf, weil ich besagte Madja-as-Tour übernommen habe. Und jetzt, da ich die Tage endlich wieder los wollte, bin ich gestürzt und hab mir das Schlüsselbein gebrochen. Dazu ist mein letzter Kollege abgereist, so dass ich jetzt allein dahocke, kurz vor Weihnachten, mir kaum selber den Hintern wischen kann und Löcher in den PC starre. Das Essen hier in Pandan kann ich auch nicht mehr sehen, Dünnpfiff hab ich auch schon seit Wochen, und - ach ja, habe ich erwähnt, dass es seit fast einer Woche durchpisst, mein Dach leckt und braune Brühe auf mein Bett tropft?

Noch weitere Fragen? Und wie geht’s Euch so, schmecken die Plätzchen und der Glühwein? Los, gebt’s mir! ;-)


 



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1 Kommentar

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#1 Andrea schrieb am 14.12.2010 16:41

Hi,

wenn ich das so lese, will bei mir im Moment so gar kein Neid mehr aufkommen, was sonst zur Genüge der Fall war... Kenn das Gefühl, im Ausland krank zu sein, 2 gebrochene Beine in Südafrika waren auch kein Zuckerschlecken.

Na, dann will ich Dich mal trösten: hier ist es um die -8 °C, über nen halben Meter Schnee, absolut abartig. Und es ist Anfang Dezember, wenn ich mir vorstelle, noch mehr als 3 Monate tiefstes Kamtschatka, brrrr. Der Glühwein schmeckt auch schon nicht mehr, wenn man ihn täglich trinkt, verliert auch das seinen Reiz zwinker

 

Ich wünsch Dir gute Besserung, halt die Ohren steif und viele liebe Grüße, Andrea