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Donnerstag, 15. September 2011

Briefe von den Philippinen: 22.08.2011


Hallo mal wieder.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. In meinem Fall bedeutet das, dass ich wider aller Wahrscheinlichkeit doch eine krötenfreie Insel gefunden habe. Aber der Reihe nach…

Hab zuerst einige Zeit auf der Station verbracht. Das war erst alles andere als genüsslich, es schiffte in einem fort und richtig Tag wurde es auch nicht, es wechselte nur zwischen Dämmerung und Nacht hin und her. Das Arbeiten war dementsprechend feucht und matschig (ich hab mir geschworen, wenn ich wieder unten bin als erstes Gummistiefel zu kaufen – und eine Axt). Anstrengend natürlich auch, aber das war ja zu erwarten.

Später wurde es dann besser und ich sah die Sonne für paar Minuten am Tag. Als uns das erste Verbrauchsmaterial ausging und mein Feldassi soweit eingelernt war, um erstmal weitermachen zu können, ging ich runter, schmierte wieder Pilzcreme auf die Füße (die sahen wieder aus nach der Dauernässe da oben…) und begab mich dann mal wieder auf Inselsuche. Hab mir jene Inseln vorgenommen, die ich letztes Jahr noch besuchen wollte, als ich mich verletzt hatte.

Der Zielhafen hieß Conception und liegt an der Ostküste. Also dachte ich mir, mach es wie bei Estancia (der übernächste wichtigere Hafen nördlich davon) und fahr die Nordküste entlang. Ich lass mir also Zeit, frühstücke genüsslich und setz mich in den Bus nach Kalibo. Von dort wollte ich dann weiter nach Osten, entweder über Roxas oder einen anderen Ort. Das hab ich mir so gedacht! In Kalibo nämlich machten alle lange Gesichter und sagten, es fahre nichts von Kalibo nach Conception (oder San Dionisio direkt nördlich davon). Meine durchaus logische Argumentation, nach Estancia käme man ja auch von Kalibo aus, konnten sie irgendwie nicht nachvollziehen. Wenn ich nach Conception wollte, müßte ich erst nach Iloilo fahren -  das liegt an der SÜDküste. Hätte ich das vorher gewußt, wäre ich gleich von Pandan aus dahin gefahren, aber es half ja nichts. Außerdem dauert die Fahrt nach Iloilo über Kalibo (also östlich der Mountain Range quer über die Insel) genauso lange wie über San José (also westlich der Berge). Ich wäre allerdings früher losgefahren.

Hat trotzdem alles geklappt, bin in Iloilo nach 3 ½ h Fahrt in einen anderen Bus gestiegen und dann nach NO nochmal 3 h gefahren. Nachts kam ich in Conception an, da gab es dann sowas wie ein „Resort“ (an die Insider: nein, nicht wie das auf Inampulugan…). Merke: um einmal von West nach Ost zu kommen, muss man im Zickzackkurs erst nach Norden, dann nach Süden und dann in den Osten. Den geraden Weg zu nehmen macht da auf einmal wohl keinen Sinn mehr. Aber in den Bergen, da wird immer geradeaus gegangen, was? Ich glaube, der Busroutenplaner für Panay war bei der Deutschen Bahn in Lehre…

Der erste Eindruck war nicht gerade vielversprechend, es wimmelte nur so von Agas, man musste aufpassen, auf keine draufzutreten. Am nächsten Tag organisierte ich mir eine Rundfahrt mit dem Boot, um die meisten Inseln erstmal vom Wasser aus zu betrachten. Ich brauche ja nur einigermaßen bewaldete Inseln. Pan de Azucar hab ich extra ausgeklammert, da brauchten sie nicht rundherum zu fahren, weil ich weiß, dass es da Kröten gibt. Musste das extra sagen, weil Pan de Azucar der „Star“ und Haupttouri-Ziel der Inselgruppe ist. Da steht so’n steiler, 500 m hoher Berg drauf, ähnlich dem Zuckerhut in Rio. Viel Wald ist da aber nicht mehr, nur Gras und Gestrüpp – und, klar, Kokospalmen. Allerdings fand ich unter den etwa 16 Inseln zwei gut geeignete: eine größere, fast menschenleere, weil private Insel mit viel gutem Sekundärwald und eine kleinere bewaldete, fast kreisrunde Insel mit einem guten Strand und paar Hütten für Bade-Touris. Die größere Insel heißt Tago und ich fragte den Tour-Organisator, ob ich denn da drauf könnte, um über Nacht zu bleiben. Er kannte wohl den Caretaker und tatsächlich, nach einem kurzen Besuch bei dem Typen und etwas Geschwafel über mein Projekt konnte ich da hin.

Bin da also am nächsten Tag mittags hin und hab gleich einen der drei Security-Leute als Guide zweckentfremdet, nach dem Motto „Bring mich zum Wald!“ Nicht, dass ich den nicht selbst gefunden hätte, so groß ist die Insel nun auch wieder nicht, aber der wurde mir sowieso zur Seite gestellt, dann konnte er sich auch gleich nützlich machen. Und er zeigte mir wirklich viel in relativ kurzer Zeit, so dass wir vor dem Sturm um 4 wieder im Camp waren. Die Insel ist wirklich interessant. Sie ist langgestreckt und liegt zwischen dem Festland und Pan de Azucar. Der südwestliche Teil ist nicht sehr einladend, fast nur Kokospalmen, aber der hintere, also nördliche und westliche Teil, hat noch relativ gute Wälder (also sekundäre, die kleinen Inseln haben alle fast keine Primärwald mehr). Später fiel mir auf, dass sie eigentlich fast komplett bewachsen ist, selbst die Kokospalmen stehen in Vegetation und nicht frei, wie sonst üblich. Offenbar haben da früher Leute gelebt, die aber „umgesiedelt“ wurden, als die Insel gekauft wurde. Stell mir das auch spaßig vor, eines Morgens kommt ein Boot an Land und jemand sagt dir, das deine Insel nun ihm gehört und du weg musst. Wie auch immer, diese moralisch fragwürdige Praxis hat der Insel die Aga erspart, denn wie ich abends feststellen musste, wimmelt es da nur so von Fröschen, Schildkröten (die einzige Art Panays ist Cuora amboinensis) und anderem Getier, nur keine einzige Aga in Sicht. Und ich bin lange genug hier, um zu wissen, dass man IMMER welche zu Gesicht bekommt, wenn sie irgendwo sind.

Die Insel hat auch ihre eigene „Megafauna“: irgendwelche verwilderten Büffel und Rinder treiben sich da rum. Als mir der Security-Knilch etwas von „wild carabao“ erzählte, hoffte ich insgeheim für etwa eine Sekunde, es gäbe hier eine unentdeckte Population des Tamaraw (gibt’s nur auf Mindoro), aber es waren nur ganz normale Wasserbüffel. Trotzdem war es interessant zu sehen, wie agil und aufmerksam die Tiere sind, die haben nur wenig gemein mit den sich träge dahinschleppenden, am Nasenring vom Bauern hinter sich hergezogenen Arbeitstieren im Reisfeld. Die Rindviecher allerdings waren sehr scheu und nur nachts zu sehen. Ich muss mir die mal genauer ansehen, irgendwie sahen die komisch aus, sehr faltig und nicht der gleichen Rasse wie die Festlandtiere angehörend. Ich hoffe insgeheim, es sind Zwergzebus und damit filetiert ein Vermögen wert! Kann mit den Security-Leuten sicher ein kleines Geschäft vereinbaren…

Hab es mir dann für die Nacht gemütlich gemacht und meine Hängematte in einer halbverfallenen Security-Hütte in Strandnähe gehängt. Nun ja, sagen wir mal, ich WOLLTE es mir gemütlich machen. Wie sich nämlich herausstellte, war an Schlaf nicht zu denken. Die Büffelsuhlen, die so gut für die Amphibienpopulation der Insel sind, sind noch weitaus besser für die Mückenpopulation der Insel… Also solche Mückenmengen wie da kamen mir selten unter. Ich hab literweise Autan dabei, aber in Pandan lag es gut. Hatte damit nicht unbedingt gerechnet, weil die kleinen Inseln eher mückenarm sind. Ich hab ja auch nichts gegen paar Mücken, aber das war der reinste Albtraum. Außerdem wurde es irgendwie in der Hängematte auch kühl, was auch eher unerwartet war, denn Conception ist so heiß wie der Vorhof der Hölle. Kennt man irgendwie gar nicht mehr, die Hitze, wenn man im Regenloch der Visayas wohnt. Auf der Insel jedenfalls lag es sich nicht ganz so gut in der Hängematte, wie ich gehofft hatte. Außerdem gab es einen Heidenkrach. Der Tourguide hatte noch betont, wie ruhig es hier wäre, weil niemand hier lebt. Wenn der wüsste! Es waren Flughunde, genauer Pteropus vampyrus, einer der beiden großen Arten hier. Wußte gar nicht, was die für ein Gezeter veranstalten können. Es gibt auf der Insel auch Mangobäume, mit mehr Mangos als alle Flughunde der Visayas jemals verzehren könnten, aber nein, sie haben beschlossen, sich genau um die Mangos im Baum nebenan zu streiten. Mittlerweile ahne ich, wieso sie so selten geworden sind: außer den üblichen Ursachen, wie Habitatzerstörung und der Verfolgung als Nahrungsquelle oder „Ernteschädling“, habe ich den starken Verdacht, dass sie den Leuten auch einfach nur auf die Nerven gehen. Selbst ich wäre fast aufgestanden, um mit Steinen nach ihnen zu werfen…

Kaum bin ich kurz eingenickt, weckte mich ein komisches Schnauben. Die Rindviecher waren da und leuchteten grünäugig im Taschenlampenschein, bevor sie auseinanderstoben wie eine Herde Gnus. Na wartet nur, hab schon Pläne für euch!

Irgendwann nach drei bin ich dann wohl eingepennt, aber ich hatte das Boot zum Sonnenaufgang bestellt und langer Schlaf war mir nicht vergönnt. Beim nächsten Mal muss ich mir was einfallen lassen, um den Plagegeistern zu entgehen. Hatte noch an gleichen Tag ein Telefongespräch mit dem Eigentümer, der meinem Projekt recht zugetan war, mir aber sagte, ich sollte einen formellen Antrag an sein Büro schreiben. Nach etwas Adressenaustausch war ich auch schon auf dem Weg nach Iloilo. Die kleine Insel, Agho Island, hab ich mir nicht mehr gegeben, die war wirklich etwas klein und nur zweite Wahl.

Auf der Rückfahrt kam ich dann in meine erste philippinische Armeekontrolle. Paar Soldaten standen da rum, einer stieg vorne in den Bus, ging durch und stieg hinten wieder aus. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck wurde dem Bus gedeutet, weiterzufahren. Musste unwillkürlich an die Szene aus „Das Leben des Brian“ denken: „Wir haben einen Löffel gefunden“. Vermutlich war der halbe Bus voller irgendwelcher NPAlern oder sowas. Die Polizeikontrollen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Normalerweise sollte in solchen Ländern ein mürrisch dreinblickender Beamter die Papiere mit kritischem Blick durchforsten, während sich die Passagiere eingeschüchtert in den Sitzen festkrallen und der Bus draußen von mehreren Maschinengewehren im Anschlag umzingelt ist. Wenn der olle Marcos das wüsste, er würde sich im Grabe umdrehen… ;-)

In Iloilo hab ich wieder dazugelernt: da gibt es wohl zwei Busterminals, eines für die Fahrten nach Kalibo, Roxas und die Ostküste, und ein anderes, verranztes, am anderen Ende der Stadt, für die Fahrten nach Antique. Klar doch, wie sollte es auch anders sein… Die sollten den Provinznamen wirklich mal ändern, der jetzige ist schlecht fürs Geschäft. Hab fürs Taxi zum anderen Terminal die Hälfte von dem bezahlt, was die Fahrt von Iloilo nach Pandan kostet und hätte fast noch den Bus verpasst, weil es so lange dauerte. Ok, ok, ich hab’s verstanden, ab jetzt nehme ich den Zickzackkurs, scheiß drauf…


 



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