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Mittwoch, 18. Januar 2012

Briefe von den Philippinen: 17.10.2011


Hallo Leute.

Bevor ich wieder für etwa einen Monat in der Versenkung verschwinde, sprich, auf die Station gehe, wollte ich dann doch nochmal was von mir hören lassen.

Letzten Monat war ich ebenfalls für etwa zwei Wochen auf der Station. Da war es diesmal recht voll, weil außer meinem Assi und mir noch drei Studenten und ein Diplomand da residierten. Volles Haus... äh Hütte sozusagen. Das hatte teils ungeahnte Konsequenzen. So zum Beispiel haben die Mädels den Einheimischen eloquente Ausdrücke der deutschen Sprache beigebracht, wie „Boah, Alter, ey!“. Stimmt, sowas wollten Filipinos schon immer mal wissen. Da die eine Veganerin war, drifteten die Gespräche auch oft ins Hochphilosophische ab, so zum Beispiel: stammt Honig aus Massentierhaltung? Und wird man automatisch zum Milchtrinker, wenn man Müsliriegel mit Honig ist? Ist eine einseitige Ernährung aus Pilzen besser als Dosentunfisch mit Reis? Solche Sachen halt. Ja, wir hatten Spaß...

Dieser wurde später etwas getrübt. Erst wurde der Strom knapp, weil wir dauernd Scheiß-Wetter hatten, die Turbine nicht ging und die Solarzellen schon bessere Tage erlebt hatten (der versprochene Techniker ließ sich bis heute nicht blicken), was dann beim Laden des einen oder anderen Geräts zu einigen Problemen führte. Dann ging uns irgendwann das Scheiß-Radio auf den Sack, das wir eigentlich als nette Geste dem Station-Staff geschenkt hatten. Nur lief das Drecksding, das nur einen bekackten automatischen Boracay-Sender mit grausamer Musikauswahl empfängt, die ganze Zeit, unabhängig davon, ob es genug Strom für andere Sachen gab, ob man arbeiten wollte oder mal eigene Musik hören. Wenn man mal was sagte, spielten die Jungs beleidigte Leberwurst. Nun ja. Problematischer war aber, dass der Dilettant unten im Dorf, der eigentlich für die Versorgung zuständig ist, es mal wieder nicht richtig hinbekommen hat. Mal fehlte Öl, dann Gemüse (das fehlt irgendwie immer, aber angesichts der Tatsache, dass eine Veganerin oben war, war das nicht mehr so witzig), dann mal sogar Reis (was mir nicht ausmacht, aber die Einheimischen verstehen da wenig Spaß), nicht mal Scheiß-Kerzen hatten wir am Schluss, so dass wir teilweise abends (was schon ab sechs ist hier) mit Stirnlampen beim Kartenspielen saßen – klar, arbeiten war ja nich... Wir haben dann altes Wachs von den Kerzenhaltern und Tischen gekratzt und uns eine neue Kerze gegossen. Auch Sachen, die wir bestellten, kamen teils gar nicht, teils erst nach einer Woche. Die Einheimischen sind aber nicht auf den Kopf gefallen, kommt halt nichts, wird im Wald was geholt. Man kann sich hier ganz gut paar Tage über Wasser halten, bis wieder was kommt: Kokosnüsse, Bambussprossen, Palmherzen, Pilze (wenn Saison ist) und, meine Favoriten, Aale und Süßwassergarnelen aus dem Fluss. Die sind mal lecker! Hab selbst im gekochten Zustand noch 3-4 Arten ausgemacht und mir überlegt, dass die Viecher in Europa lebend bestimmt zig bis Hunderte von Euro bei den Garnelenheinis wert wären. Eine Art hier wird etwa so groß wie mittlere King Prawns! Hatte diese Garnelen schon paarmal, v. a. am Mt. Madja-as letztes Jahr. Und die Aale erst: ob in Kokosnusssoße, frittiert oder gegrillt, die Viecher sind köstlich. Hab dann mal nachgefragt, ob die sich wie unsere Aale im Meer fortpflanzen, aber so genau konnte mir das keiner sagen. Muss man ja auch nicht wissen, Hauptsache man weiß, welche Gewürze man braucht, wie? Die Jungs meinten, die Biester könnten über 2 m lang und oberschenkeldick werden, aber ich bin da etwas skeptisch. Aber, wer weiß...

Auch wenn der mangelnde Strom lästig war, zum Glück muss ich im Moment nur tagsüber arbeiten, aber selbst das war nicht ohne. Der Weg zu meinen Sites ist etwa ein Drittel des Aufstiegs, also jeden Tag zum trockenen Flussbett runter, graben oder Folie verlegen, und nachmittags wieder hoch. Nach drei Tagen brauche ich da immer einen Tag Pause, und selbst mein Feldassi, der einiges abkann und meist den Hauptteil der Ausrüstung trägt, war heilfroh, wenn mal frei war. Er richtet sich ja nach mir, aber wenn ich nicht mehr kann, schicke ich ihn allein auch nicht runter. Ist ja nicht so, dass wir viel Hilfe bekommen hätten (obwohl die Studis paarmal aus Neugierde mit waren und gleich Hand anlegen durften – wenn schon, denn schon –, aber deren Aufgabe war es ja nicht). Gegen Ende hätte es mich noch fast einen 15-20 m hohen Hang runtergesemmelt, als bei Matschwetter ein Stück des Weges nachgab und ich rücklings nach hinten viel. Zum Glück war da ein Felsen im Weg, auf den ich prallte, der Weg nach unten hätte ordentlich aua gemacht…

Mittlerweile sind mir auch paar eklig-fiese Eigenschaften der hiesigen Egel aufgefallen. Wie schon gesagt, sind sie ja beim Ansaugen nicht die schnellsten. Vermutlich deshalb suchen sie gerne Körperhöhlungen auf. Erst hatte einer vom Staff einen im Ohr, da war ich schon beeindruckt, aber dann hat es mich erwischt, und zwar am AUGE! Das Scheißvieh ist, schneller als man reagieren konnte, zwischen Auge und Augenhöhle geflutscht! Erst hat er versucht, am Augapfel zu lutschen, aber da gibt es ja nicht viel, also hat er irgendwann endlich die Innenwand der Augenhöhle gefunden und da hat es ihm wohl so gefallen, dass er erst nach 7 Stunden endlich vollgesaugt war und rausgefallen ist. War erst etwas besorgt und bin den ganzen Weg zurück zur Station, dann aber, als nichts zu machen war, bei strömendem Regen den anderen wieder zu meinen Sites hinterhergegangen. Es gibt so Tage, da fragt man sich, warum man sowas eigentlich macht... Wenigstens war der angeekelte und aufkommenden Brechreiz erahnen lassende Gesichtsausdruck der anderen erheiternd. Den Spaß an der Situation hatte wohl nur ich, einer der Studis meinte später, er wäre längst auf dem Weg nach unten ins Krankenhaus. Hab Fotos von dem Vieh am Auge, und verdammt, es sieht wirklich widerlich aus...

Nach den beiden Ereignissen wusste ich dann, ok, brauchste mal ‘ne Pause. Da uns sowieso die Hölzer für den Zaun ausgingen und der Knilch im Dorf es versäumt hatte, mir die anderen, die bei ihm rumliegen, hochzuschicken, war es ein guter Zeitpunkt, um runterzukommen und die anderen Hölzer zu machen, die noch in Pandan rumlagen. Vorher hab ich noch paar Tage mit den drei Studis verbracht, deren Zeit um war und die vor paar Tagen zurückgeflogen sind. Auf Luzon war derweil Zeter und Mordio, weiß schon gar nicht mehr, ob es ein oder zwei Taifune waren. Hier war zum Glück nicht viel, „nur“ das übliche Taifun-Mistwetter. Das heißt, es schifft 3-4 Tage fast am Stück, bis der Pandan-„Fluss“ (ist mehr ‘ne Kloake) über die Ufer tritt und einige tiefere Bereiche etwa 30 cm hoch überschwemmt. Jedesmal, nachdem ist da durch musste, wasch ich mir daheim angewidert die Füße.

Nun ja, Strom oder nicht, diese Woche geht’s wieder hoch. Vorher hatte ich endlich bei einer Party mal die Gelegenheit, eine der hiesigen „Spezialitäten“ zu probieren: „Dog Adobo“. Ja, richtig, Hund. Adobo ist so ‘ne Gulasch-ähnliche Standardsoße hier, es gibt „Chicken Adobo“, „Pork Adobo“ und eben auch „Hund Adobo“. Das ist allerdings keine Speise, die man im Restaurant bekommt (zumindest hier nicht), Hund ist ein Sauf-Essen, wird also beim Saufen gegessen, so wie Schweinebacke („Sisig“, eine eklige Glibber-Scheiße), und „Soup No. 5“, das ist eine Suppe aus Schweineklöten, Augäpfeln und diversen anderen Innereien. Den beiden letzten Sachen kann ich nichts abgewinnen, aber die Töle in Gulaschsoße wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zu oft hab ich schon Einheimische feuchte Augen kriegen sehen, wenn sie darüber sprachen. Nun, die erhoffte Geschmacksexplosion blieb dann doch aus. Nicht, dass es nicht geschmeckt hätte, war durchaus ok (wenn man ein gutes Stück erwischt hat, wo was dran war), schmeckt leicht süßlich, nicht unangenehm, Fleisch halt, aber es ist nichts, dem man immer hinterher sein muss, um keine Gelegenheit des Verzehrs zu verpassen, wie etwa bei einem guten Rindersteak, dem Blue Marlin oder den Shrimps. Mein Feldassi (war seine Party), erklärte mir noch, wie Hund am besten schmeckt, irgendwas von Kokosnusssoße und dergl.. Nun ja, man kann jegliches Fleisch irgendwie verzehrbar machen, wenn die Soße stimmt, ich bin da mehr der Purist und möchte den Fleischgeschmack an sich kennen. Ich werde sicherlich kaum jemals wieder Hund essen. Zum einen schmecken sie auch nicht besser als andere Viecher, der wahre Grund ist aber, dass sich die Tötungsart nicht unbedingt mit meinem Verständnis von Tierschutz deckt. Damit sie nämlich besser schmecken, werden Hunde nicht einfach wie Kühe oder Schweine getötet, sondern meist langsam zu Tode geklopft, damit sich das Adrenalin schön verteilt. Das muss dann irgendwie doch nicht sein. Ein Steak im Resort nebenan tut’s auch...

In diesem Sinne,
Viele Grüsse!


 



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