Insektenboerse '18

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Freitag, 30. Juli 2010

Im Reich der Karettschildkroete - Teil II


Schluepfling von Caretta caretta auf dem Weg ins Meer (Bild: Wikipedia)

Gestern buchten wir einen Bootstrip um die am Tage vor der Kueste schwimmenden Carettas zu sehen. Den etwa zwei Kilometer langen Weg nach Laganas, von wo aus die Boote starten, legten wir zu Fuss entlang des Strandes zurueck. Auf der ganzen Strecke zaehlte ich rund 70 markierte Nester, die meisten davon - gluecklicherweise - ausserhalb der Fuenfmeter-Zone, die beschritten werden darf.

Auf dem Boot lernte ich Stefanos kennen. Der ausgebildete deutsch-griechische Ingenieur hat sich diesen Sommer eine Auszeit genommen, und verbringt nebst weiteren rund 40 Idealisten einen guten Teil davon als Volontaer fuer ARCHELONIA, die hiesige Schutzorganisation, die bereits vor 27 Jahren den Schutz der Unechten Karettschildkroete initierte. Von Stefanos erhalte ich viele hochspannende Infos rund um Caretta caretta. So zum Beispiel erzaehlt er mir, dass ich nebst meinen selbstgezaehlten Nestern vermutlich an vielen weiteren, unmarkierten vorbeigegangen bin. Offenbar werden nicht alle Nester markiert, sondern nur solche, die potentiell durch menschliche Einfluesse gefahrdet sind.

Das Boot faehrt nicht weit raus. Bereits wenige hundert Meter vor der Kuste drosselt der Kapitaen die Fahrt und nur wenige Minuten spaeter hat er im klaren Wasser der hier kaum einige Meter tiefen und glasklaren See einen riesigen dunkeln Schatten ausgemacht, der sogar fuer einen Laien wie mich ohne jeden Zweifel einer Meeresschildkroete zuzuordnen ist.

Geschickt manoevriert der Kapitaen seinen Katamaran so, dass er stets in unmittelbarer Naehe der Schildkroete bleibt. Maximal 10 bis 15 Minuten gelte es nun zu warten, erklaert Stefanos, bis das Tier zum Luftholen an die Oberflaeche kommen muesse. Und tatsaechlich dauert es nicht lange, bis der Kapitaen bruellt "She's coming up!". Der Schatten wird immer deutlicher und groesser waehrend das Tier, ganz offenbar voellig ungestoert vom tuckernden Schiff, langsam hochsteigt. Schliesslich durchbricht sein Kopf die Wasseroeberflache und zum ersten Mal in meinem Leben schaue ich einer lebenden Meeresschildkroete in freier Wildbahn diekt ins Gesicht.

Diese hier sei nicht besonders gross, meint der Kapitaen, und vermutlich erst etwa 60 Jahre alt. Und doch betraegt ihre Panzerlaenge bestimmt ein gutes Stueck mehr als einen Meter. Das Tier schnaubt zweimal vernehmlich, dann laesst es sich wieder sinken und wird rasch wieder zu einem Schatten am sandigen Meeresgrund.

Waehrend der naechsten Stunde finden wir etliche weitere Exemplare, und die meisten tun uns den Gefallen, auzutauchen und uns einen Blick in ihre seit Jahrmillionen unveraenderten Gesichter werfen zu duerfen.

Etwas spaeter am Tag miete ich mir ein Pedalo und fahre nochmal raus. Tasaechlich finde ich auch selbst Carettas (ist auch nicht weiter schwierig, wenn man weiss, wie die kommerziellen Turtle-Viewing-Boote aussehen und sich an sie haelt) und ein kurzer Schwumm, kaum eine Armlaenge von einem dieser wunderbaren Tiere entfernt, zaehlt zu den hoechsten Gefuehlen, die ich in meinem Leben schon erfahren durfte.

Links:
- Archelon
- National Marine Park Of Zakynthos