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Sonntag, 01. August 2010

Im Reich der Karettschildkroete - Teil III


Caretta caretta beim Eierlegen( Bild: Wikipedia)

Gestern waren wir in Kalamanki Town zu Besuch am Info-Kiosk von ARCHELON, der privaten griechischen Schutzorgansisation der Unechten Karettschildkroete. Mein neuer deutschsprachiger Bekannter und Caretta-Experte Stefanos hatte Dienst und vermittelte mir erneut hochinteressante Infos.

Die aus privaten Geldern finanzierte und bereits vor 27 Jahren gegruendete Organisation ARCHELON spielte die Vorreiterrolle so gut, dass sie den griechischen Staat dazu brachte, die ganze Kalamaki Bucht zum marinen Reservat zu erklaeren und unter Schutz zu stellen. Wahrend sich Schildkroete und Mensch Teile der wunderbaren Sandstraende teilen - grob gesagt, gehoert die Beach tagsueber dem Menschen, und nachts ist sie den Schildkroeten vorbehalten - bleibt der fuer die Schildkroeten wichtigste Strand-Bereich im Westen der Bucht fuer den Menschen strikte gesperrt..

Die ARCHELON-Volontaere sind wahre Idealisten, die ihren Dienst nicht nur ohne Bezahlung verrichten, sondern auch ihre Anreise sowie Unterkunft und Verpflegung aus eigener Tasche berappen. Als Unterkunft steht ihnen ein Camp zur Verfuegung, in welchem sie sich fuer 30 Euro die Woche einmieten und ihre Zelte aufbauen koennen.
Sie verrichten Dienst am Info-Kiosk, wo sie Passanten (vorwiegend Touristen) ueber die Schildkroeten aufklaren. Ausserdem gehen siefruehmorgens ab 06:00 Uhr die Straende ab um im Sand nach Spuren von Schildkroetenweibchen zu suchen, die wahrend der vergangenen Nacht ihre Eier ablegten. Stossen sie auf solche, wird der Sand am potentiellen Ablageort soweit abgetragen, bis die ersten Eier zum Vorschein kommen. Erst wenn die Stelle so als Nest gesichert ist - die Spuren reichen dazu nicht, das Weibchen kann es sich theoretisch anders ueberlegt haben und ins Meer zurueckgekehrt sein, ohne abzulegen - wird es markiert und mit einem Schutzkaefig gesichert.

ARCHELON arbeitet eng mit dem Staat bzw. der Nationalparkverwaltung zusammen. Auch diese stellt (allerdings bezahltes) Personal, welches in drei Schichten im 24-Stunden-Dienst die Straende bewacht, reinigt und Touristen informiert. Diese seien allerdings viel weniger ein Problem, verraten mir Popi und Nick, zwei der Park-Angestellten, als die einheimischen Griechen selbst. Es sei bedeuten schwieriger die Notwendigkeit der Strand-Sperrung Menschen klarzumachen, die ihr Leben lang auf der Insel leben. Ausserdem stehen ihnen auch keine Mittel zur konsequenten Umsetzung zur Verfuegung, ob die Sperrzeiten eingehalten wuerden oder nicht, ob der Straede verschmutzt wuerden oder nicht, das sei letztlich alles bloss eine Frage des guten Willens und bei widerspenstigen Einheimischen juristisch nicht durchsetzbar. Nick deutet resigniert auf endlose kommerzielle Liegestuhl- und Sonnenschirm-Batterien, die am Strand eindeutig auch ausserhalb der erlaubten 5-Meter-Zone aufgebaut wurden.

Anfangs Mai beginnen die Tiere mit der Eiablage, und bis heute wurden fuer die laufende Saison 947 Nester markiert, von denen erst neun geschluepft sind. Die Eiablage-Zeit dauert noch bis etwa Mitte August an, man rechnet bis dahin mit ueber 1000 Nestern. Schon jetzt gilt 2010 als Spitzenjahr, 2009 bspw. wurden lediglich um die 850 Nester markiert. Carettas kommen ab ihrem dreissigsten Lebensjahr alle zwei bis vier Jahre an ihren Geburtsstrand zurueck um sich selber fortzupflanzen. Wahrend einer Saison legen sie bis zu drei Gelege mit 100 - 120 Eiern ab.

Tatsaechlich beginnt die Schlupfzeit in diesen Tagen, weshalb ich mich morgends jeweils um 06:30 aus den Federn quaele, um die ab 07:00 Uhr freigegebene Beach in der Hoffnung abzugehen, auf ein paar verspaetete Schluepflinge zu stossen - bislang leider erfolglos.

Links:
- Archelon
- National Marine Park Of Zakynthos